Freitag, 21. November 2014

Über 100 sind geschafft!! Und es werden noch immer mehr.

Nachdem gestern mal wieder das Internet einen Aussetzer hatte, was hier leider üblich ist, ist einiges an Zeit ins Land gegangen. Mein Abreisetermin rückt mit großen Schritten näher. Leider. Alles geht natürlich mal vorbei, auch wenn man es nicht wirklich möchte. Ich habe seid 2012 ungefähr 50 Tage in Makaibari verbracht und da wachsen einem die Menschen hier ziemlich ans Herz. Zumal man immer auf engsten Raum miteinander lebt. Anders als in einem Hotel, wo man nur eine anonyme Zimmernummer besitzt, bekommt man hier bei dieser absoluten Nähe viel von den Freuden und großen oder kleinen Problemen mit.
Wie zum Beispiel Lamu, die Tochter einer Nichte die direkt nebenan wohnt, schreibt nächste Woche Mathematik Klausur. 6. Klasse. Morgen Nachmittag werden wir beide Mathe üben.

Seit vorgestern ist eine Gruppe Männer dabei den Fußballplatz für die Hochzeit herzurichten. Inklusive Deko. Bin mal gespannt.
Aufbau auf dem Sportplatz, gestern

Aufbau auf dem Sportplatz heute
Hier wird es langsam voll. Gestern ist die Mutter von Shila angereist und wohnt jetzt auch hier. Auch eine ganz Liebe. Morgen kommen Ashishs Eltern aus Gangtok angereist. Ashish und Neeru können leider nicht kommen. Anok, der Sohn, hat Schule und schreibt Examen. In Indien werden immer zu festgelegten Zeiten die Klausuren geschrieben und da gibt es kein entkommen.

Nachdem ich am Mittwoch wegen der Puja Zeremonie nicht gearbeitet habe, war es gestern umso voller. Knapp 20 waren es gestern. Und ein absolut neuer Rekord: -12 Dioptrien und KEINE Brille. War heute in Kurseong um die Brille, mit möglichst dünnen Gläsern zu bestellen, damit die Brille auch schnell fertig wird. Manchmal glaubt man gar nicht wie man 32 Jahre lang so durchs Leben kommen kann. So ohne Brille. 

wahrscheinlich ein neues Lebensgefühl -12 Dioptrien

Etwa 90 – 95 % hatten noch nie eine Brille. Was bei der Überprüfung schon mal zu absurden Verrenkungen führt. Gestern hatte ich einen älteren Herren, der trotz mehrfacher Erklärungen nicht so richtig verstanden hat was er machen soll. Aufgabe war eigentlich mir zu sagen wo er die Öffnungen vom „E“ sieht. Er hielt sich aber ständig die Augen zu und meinte, er können gar nichts sehen. :-) Schon ein Phänomen.

Der heutige Tag war mit nicht ganz so vielen Überprüfungen gespickt, dafür arbeite ich aber auch noch morgen früh und am Sonntag Vormittag.

auf dem Weg nach Kurseong
Da heute ein Teil meiner Aufträge fertig geworden war, war ich am späten Nachmittag noch in Kurseong. Mit dem älteren Bruder von Shila. Der heute zwecks Besprechung der Hochzeit mit seiner Frau hier in Makaibari war. Er stiftet die 100 kg Chicken. Da sie in Kurseong wohnen, sind wir gemeinsam dorthin gefahren.

Shila, Dewas, Dipika und Dewankar waren heute in Siliguri noch wichtige Einkäufe für die Hochzeit erledigen. Weswegen sich die drei älteren Damen (Shilas Mama, Dewas Mama und ihre Schwester) heute Mittag um mich gekümmert haben. Was immer ganz lustig ist. Auf meine Frage ob ich vom Markt etwas mitbringen soll, bekam ich die Aufgabe Chicken zu besorgen. Kein Problem. Die Tage der Puja Zeremonie sind rein vegetarisch und ein bisschen Fleisch hin und wieder kann nicht schaden.

auch eine Art Hundekorb
Also kaufe ich Chicken ein. Da wir mindestens 8 Erwachsene sind und oft jemand noch mit isst, fand ich 2 Kilo Hühnchen nicht zu viel. Mit meinem Hühnchen unterm Arm, einem Hochzeitsgeschenk (auch wenn Dipika keins von mir will) einer Kiste fertige Brillen und etwas zu Naschen geht es gut bepackt zurück nach Makaibari. Leider finde ich keinen Minibus der mich zurück fahren könnte. Es ist kurz vor 18 Uhr und da werden die nicht vorhandenen Bürgersteige hochgeklappt. Im Dunkel, erhellt durch den ein oder anderen kleinen Laden der noch offen hat, laufe ich zurück. Zum Glück kommt ein Minibus der zu mindestens bis fast an Makaibari heran fährt und mich mit nimmt. Den Rest des Weges laufe ich mit meinem in Zeitungspapier eingepackten Hühnchen dann noch, auch wenn es fast so dunkel ist wie in einem Hühnerpopo. In Indien wird so gut wie alles in Zeitungspapier eingepackt. Ob in der Apotheke, beim Schneider oder beim Hühnerverkäufer. Egal, Hauptsache Zeitungspapier.

Gut wieder zu Hause angekommen, sind alle wieder eingetrudelt. Über meine 2 Kilo Hühnchen bekomme die Damen einen Lachanfall. So viel!! Egal, denke ich mir. Dann gibt es halt für jeden etwas mehr oder essen morgen davon.


Morgen kommen die ersten Köche und fangen an vorzubereiten. Eine spezielle Süßigkeit aus Reismehl die ausgebacken wird und speziell für Feierlichkeiten hergestellt wird. Mir schmeckt dieses Sell-Roti, wie es ungefähr heißt, sehr gut weil kaum gezuckert wird. Bin mal gespannt. Die momentane Hochrechnung für die Hochzeit 800 Gäste............

Mittwoch, 19. November 2014

„Tourist size“ und heute nicht gearbeitet

Heute war der Tag nicht wie geplant. Aber was kann man schon so richtig planen.
Die Gebete fingen heute morgen wie geplant gegen 6.30 Uhr an. Die Mönche/Lama? (muss mich damit mal auseinander setzen, bin mir über den korrekten Titel/Ansprache nicht ganz im Klaren) scheint es nicht sonderlich zu stören, wenn man nicht dauerhaft dabei ist. Keiner von uns war immer anwesend. Manche Dinge nehmen ihren normalen Lauf. Dazu zählen Frühstück machen, Tee trinken usw. Auch die beiden Mönche sind den modernen Kommunikationsmitteln nicht abgeneigt. Wenn das Hände klingelt, kann man im Gebet auch eine kleine Pause einschieben, ehe es weiter geht.
Da man zur Puja grundsätzlich nichts Tierisches zu sich nimmt, gibt es zum Frühstück für alle Gemüse, Rotis und Puris.

Um neun mache ich mich auf und gehe erst einmal, wie jeden Morgen, in die kleine Krankenstation. Um Hallo zu sagen und um mich auf den neuesten Stand zu bringen.
Danach geht es bei herrlichstem Sonnenschein, runter zum meinem kleinen Eye Camp Zimmer. Was meiner Familie gar nicht so recht war, denn es ist ja Puja.
Wie verhext ist es heute. Entweder genießen alle die schöne wärmenden Sonne oder alle haben keine Zeit. Es kommt bis um kurz nach 10 Uhr kein Mensch. Meena, meine liebe helfende Hand und mit Abstand die beste für den Job, hat auch neben dem Eye Camp genug zu tun. Daher beschießen wir heute dicht zu machen, wenn keiner kommt. Wir hängen ein englisch-nepalesisches Schild an die Tür, dass morgen ab 9 Uhr wieder geöffnet ist. Ich freue mich sehr, denn dann kann ich wieder zur Puja Zeremonie wofür hier alle Verständnis haben.

Wieder zu Hause angekommen, freuen sich alle das ich wieder da bin. Die neue Fahne

die neue Fahne

steht schon. Muss nur noch gesegnet werden. Innen drinnen wird schwer vorbereitet. 108 Butterlampen werden hergerichtet und ich helfe zur Freude des Mönchs/Lama mit. Anschließend wird draußen die Fahne gesegnet, mit Unmengen an Räucherwerk. Unter anderem wird der Bambusmast von der alten Fahne verbrannt.
Eine riesige Menge Rauch entsteht. Und wir alle mittendrin.
ich bei der Segnung der neuen Fahne

Drinnen geht es weiter. Zum Gebet. Vorher zündet jeder Butterlampen an, bis sie alle brennen. Auch Nachbarn sind gekommen.
Butterlampen
Nachdem ich gestern und heute mehrere Stunden im Schneidersitz verbracht habe und ich dachte, noch ne Stunde und ich brauche 2 neue Hüften, bekomme ich heute einen kleinen Schemel. Es wird gebetet und allerlei Opfergaben erbracht. Anschließend werden wir alle noch mal gesegnet, bekommen einen Katta (weißes Schal) und ein Bändchen umgelegt. Danach ist das Meiste vorbei und man kann sich wieder irdischen Dingen widmen. Wie die Zubereitung des Mittagessens.
Altar im neuen Gebetsraum
Währenddessen klingelt mein Handy. Nayan, ein Patient für mich, wie es hier heißt. Mache mich selbstverständlich auf den Weg. Ein ältere Herr, der aus einem der kleinen Dörfchen kommt und einen langen Fußweg hinter sich hat. Leider kann ich ihm nicht wirklich weiterhelfen. Die Sehleistung ist furchtbar schlecht und beim Blick ins Auge kann man nicht mehr wirklich durchleuchten. Habe mir eine Art Spaltlampe gebastelt mit der ich recht gut ins Auge leuchten kann. Zwar ohne hohe Vergrößerung aber es geht erstaunlich gut. Wie alles hier in Indien. Es ist immer irgendwie provisorisch zusammen gebastelt. Aber es funktioniert und das ist die Hauptsache.

Danach helfe ich noch einem Herren weiter, ehe ich zurück zum Mittagessen eile. Die Mädels haben für etwa 20-25 Leute gekocht und es wird in Etappen gegessen. Selbstverständlich Fleisch und Ei Frei.

Das Mittagessen war der krönenden Abschluss von der Puja Zeremonie. Danach sitzen wir noch etwas zusammen. Ehe ich am frühen Nachmittag mit Meena zusammen nach Kurseong fahre. Die nächsten fertigen Brillen abholen. Und Schuhe kaufen.
Heute morgen in der Krankenstation war natürlich wieder das Hochzeitsthema und was man anzieht. Einen Saree natürlich. Aber welche Schuhe. Bekanntermaßen reist man nicht mit einem Schuhschrank durch die Welt. Ich wollte meinen normalen Flip Flops anziehen. Nichts die Schönsten, aber unter dem Saree vielleicht nicht so schlimm dachte ich. Meine Mädels sehen das anders. Also müssen ein paar neue Schuhe her.

Hatte Meena schon vorgewarnt, dass man 40/41 in Indien als Frau nicht besonders gut bekommt. Nachdem wir in Kurseong angekommen sind, machen wir so ziemlich alle Schuhläden unsicher. Oder besser gesagt Lädchen. Immer mit der gleichen Frage: Tourist Size??? Tourist Size?? Bei den meisten ist bei 39 Schluss. Und eine 40 in Indien ist keine 40 in Deutschland, so viel kann ich verraten. Also keine neuen Schuhe.

Kaufen noch Gemüse, einen neuen Sweater für Manchi, die Tochter von Meena, den ich ihr zur Hälfte bezuschusse. Neues Obst für im Eye Camp und wir gehen im Sweets Shop einen Tee trinken und lassen uns warme Gulab Jamon munden.

Nach drei Stunden geht es im extra angemieteten Taxi/Minibus zurück nach Makaibari.
Zwischen den Dörfern und Kurseong pendeln immer die Minibusse. Und man zahlt in der Regel 20 Rupees (28 Cent) pro Strecke. Die Minibusse fahren los so bald sie voll sind. Und „Voll“ heißt in Indien voll.
Man kann auch den bequemeren Weg wählen und einen Minibus alleine nutzen. Vorteil: es ist nicht voll und man muss nicht warten, weil sie dirket los fahren. Nachteil: Kostenpunkt 150 Rupees also etwa 2 Euro. Lade Meena ein und zahle die Tour. Im Verhältnis: Meena hat heute einen neuen Unterrock für einen Saree beim Schneider bestellt, dass nähen kostet 70 Rupees.


Morgen wartet viel Arbeit auf mich. Der ein oder andere hat heute dann doch noch vor verschlossener Tür gestanden, sagt Nayan. Ich werde es morgen erfahren. 

Dienstag, 18. November 2014

Puja Zeremonie und noch vieles mehr....

Der Tag beginnt ganz normal, wie bei den meisten auf der Welt. Man springt zwar hier nicht schnell unter die Dusche, dafür kippe ich mir einen Eimer Wasser über den Kopf und bin jedes Mal erstaunt, dass man sich mit weniger als 10 Litern Wasser waschen kann und die Haare wäscht. Wenn wir das alle so machen würden, könnten wir eine Menge Trinkwasser sparen. Aber nun gut. Wir Europäer haben sowieso einen Reinlichkeitstick. Hier ist duschen mehr oder weniger unbekannt und zum täglichen Reinigungsprozess wird meistens nur etwas kaltes Wasser und klassische Seife genommen. Dennoch habe ich hier noch keinen nach kaltem Schweiß riechen gehabt. Obwohl die Klamotten nicht jeden Tag und auch nicht jeden zweiten Tag gewechselt werden. 
Dafür sind hier Allergien so gut wie unbekannt und ich habe nach 75 durchgeführten Augenüberprüfüngen noch keinen mit einer Allergie gehabt. 
Bei den Kindern, hätten wir wahrscheinlich längst das Jugendamt am Hals, sind fast alle immer ein kleiner Dreckspatz. Und ziemlich abgehärtet. Auch bei den Kleinsten wird kein Aufwand mit heizen oder so betrieben. Wenn ich das an unsere Kinder denke, die meisten werden so gar beim Wickeln mit einen Heizstrahler angewärmt. Die Unterschiede sind schon enorm. 


Das Frühstück besteht heute aus gebratenen Reis, Spiegelei und eine Art dickerer Vollkornpfannkuchen, etwas salzig. Dazu gibt es wärmenden Tee. Morgens ist es ziemlich frisch. Um die 13-15 Grad. Bis die Sonne es geschafft hat, die Temperatur in ein wärmendes etwas zu verwandeln, dauert so bis 10 Uhr. Danach ist es in der Sonne sehr angenehm. 

Mit meinen beiden Krankenschwestern geht es am Vormittag in die erste Runde vermessen, ehe der Lunch ruft. Shila und Dewas sind seid Sonntag unermüdlich daran, den neuen Gebetsraum einzurichten. Daher kocht heute Asu, die Tante von Dewas. 
Das wichtigste nepalesische Wort wenn es ums Essen geht: Bajo! Genug!! Sonst wird man hier gemästet. Auch wenn sie es immer gut mit mir meinen. Ich bekomme schon immer ein bisschen mehr von den leckeren Sachen und immer als Erste, was mir ein schlechtes Gewissen macht. Shila isst meistens immer erst wenn alle anderen etwas haben und dann was über geblieben ist.

Am Nachmittag habe ich nicht ganz so viel zu tun. Aber 14 Überprüfungen reichen auch für einen Tag. Bei manchen verliert man manchmal fast den Verstand. 
Heute hatte ich einen älteren Herren (75) der das aller erste Mal in seinem Leben, wie die meisten, einen Augenüberprüfung bekommen hat. Wir haben zur besseren Verständigung ein großes "E" gebastelt, damit sie mir einfach nur zeigen müssen, wie sie es sehen. 
Der Herr hat sich das "E" immer direkt vor die Augen gehalten und sich gewundet, dass es dann nichts mehr sieht. Wie macht man einem so etwas begreiflich?? 

Gegen 16.30 Uhr ist Schluss für heute. Meena und ich trinken in ihrer Küche noch einen Tee und dann gehe ich nach Hause.
Da ist alles schon mehr oder weniger im Gange. Gegen 17.30 Uhr beginnt die hauseigene Puja Zeremonie, vielleicht bei uns mit einer Andacht zu vergleichen. Mit zwei Mönchen. Einer von beiden hat aus Brotteig das chinesische Tierkreiszeichen (jedes einzeln) geformt und der andere murmelt die tibetischen Gebete dahin. 

Ich nehme an der kompletten Zeremonie teil und bin mir noch nicht sicher ob ich morgen keinen Muskelkater habe. 2 1/2 Stunden mehr oder weniger im Schneidersitz auf dem Boden. Puuuh. Das tibetische Gemurmel verstehe ich natürlich nicht, aber es sehr spannend mit anzusehen und bei vielem wird man selber aktiv. Zeitweise wurden wir mit Räucherwerk, wie der Name schon sagt, eingeräuchert. Aber das gehört dazu. Wie viele Räucherstäbchen in der Zeit benutzt wurden, kann ich nicht wirklich sagen, nur soviel: eine Menge.  


Gegen 20 Uhr ist die Zeremonie vorerst vorbei; nachdem wir alle gesegnet wurden. Ich auch. Das ich Christ bin, spielte überhaupt keine Rolle. Morgen um 6.30 Uhr geht es weiter. Die Mönche schlafen hier. Wie sie das bewerkstelligen ist mir ein totales Rätsel. Das kleine Häuschen, hat 5 Minizimmer und insgesamt maximal 45 Quadratmeter. Dort schlafen heute: Shila und Dewas, Dewas Mutter und ihre Schwester, Dipika und Dipankar (Sohn) und die beiden Mönche. Und keiner schläft auf dem Boden. 

Es gibt, nachdem ich meine Knochen wieder sortiert habe und die umliegenden Nachbarn, das Feld geräumt haben für alle ein Abendessen. Reis, Dal, mega leckeren Blumenkohl und Aloo Dum (Kartoffeln in Sauce). 

Morgen um 6.30 Uhr geht es weiter........ 

Montag, 17. November 2014

Die ersten Brillen sind fertig..............

Gestern, wo man vor lauter Wolken kaum etwas sehen konnte, war auch leider die Internet Verbindung eine Katastrophe. Aber es ist auch nicht so viel passiert. Ein rundum schöner Sonntag. 

Habe über eine Stunde beim Optiker in Kurseong zugebracht und die ersten fertigen Brillen abgeholt. Und ihm nochmal eindringlich erklärt warum zum Beispiel der Augenabstand und dessen Einhaltung wichtig ist. Worauf er meinte, dass seine Werkstatt die die Brillengläser eingeschliffen haben, schon Rücksprache gehalten hätten, wer den die exakten Werte abgeliefert hätte. Das wären sie gar nicht gewohnt. 
Zu mir meinte er, ich wäre aber auch pingelig. Aber was sein muss, dass muss sein. 
die ersten fertigen Brillen

Hier im Hause Lama/Tamang meinem Homestay, wird alles auf den Kopf gestellt. Nicht nur das alles neu gestrichen bzw. lackiert wird, im Haus wird auch umgeräumt. 
Aus dem Elternschlafzimmer etwa 8-9 m² wurde nun der Gebetsraum. Der war vorher in einer kleinen Kammer 3-4 m² neben an. Zu klein für die Hochzeitszeremonie. 
Alles geschieht natürlich unter Anweisung eines Mönchs. Die Vorbereitungen, wie das schmucken der Wände usw. wurde gestern erledigt. Der eigentliche Hausaltar durfte erst heute umziehen. Gestern wäre kein guter Zeitpunkt dafür gewesen. 

Um kurz vor acht heute morgen, wurde von einem Mönch unter Verwendung Unmengen an Räucherwerk dann eine Zeremonie vollzogen, damit der Altar umziehen konnte. Morgen Abend folgt eine weitere Zeremonie, wo alles mögliche gesegnet wird. Unter anderem die neuen Fahnen die morgen aufgestellt werden. 
Gebetsfahnen


Ich habe heute einen normalen indischen Arbeitstag gehabt. Während Shila und Dipika in Darjeeling waren um noch einiges für die Hochzeit zu besorgen. 

Da ich gestern die ersten Brillen abgeholt habe, kamen sie heute auch schon und wollten ihre Brillen haben. Worüber sich die meisten sehr gefreut haben. 

Daher möchte ich mich hiermit schon mal für die Spenden bedanken, ohne die es hier nicht möglich wäre. Die erste große Rechnung von rund 32000 Rupees habe ich gestern bezahlt. DANKE!! 

Gestern habe ich ein Ehepaar aus Deutschland kennengelernt. Er heißt auch Schmitz mit Nachnamen. Und wohnt in Berndkastel-Kues. Sie traveln ein 3/4 Jahr durch Indien und Nepal und wollen richtig Trekking machen, mit Zelt und allem was dazu gehört.  
Heute am späten Nachmittag, treffen wir uns durch Zufall am Sportplatz wo gerade ein Fußballspiel statt findet. Wir unterhalten uns sehr nett. 
Organisiere den beiden in Darjeeling eine Unterkunft. Morgen fahren sie mit dem Toy Train dorthin und hatten noch keine Unterkunft. Ich hatte in Darjeeling das nette Homestay. Nachdem ich dort angerufen habe und am anderen Ende der Leitung (sagt man das noch so in Zeiten der Mobiltelefone??) geschnallt wurde wer ich bin, hieß es: für mich hätten sie jederzeit ein Bett. Sehr nett. 
Auch wenn sie enttäuscht sind, dass ich nicht kommen werde. 

Für die beiden organisiert sie ein Zimmer bei irgendeiner Tante. Auch gut. 

Da wir naturgemäß Deutsche sind, dürstet es uns nach einem Bier. Was man in Makaibari aber nicht so leicht bekommt, da hier keiner eine Genehmigung hat. Beim kleinen Tante Emmaladen bekomme ich drei Flaschen unter der Hand. In Nayans Office machen wir drei es uns gemütlich. Trinken uns Bier, ein Starkbier mit 8%, und knabbern ein paar Chips aus der Region. Die werden in Darjeeling hergestellt und nur gesalzen. Sehr lecker. 
Beim quatschen vergeht viel zu schnell die Zeit. Leider. Wir verabschieden uns und dann trennen sich unsere Wege. 
Sonnenuntergang, gestern in Kurseong

Morgen habe ich um 9 Uhr schon ein Meeting mit Mr. Banerjee. Mal gucken. 

Samstag, 15. November 2014

Ein indischer Samstag oder so ähnlich.

Der Tag fängt an wie die anderen bisher auch. Es ist schon die 5. Nacht, die ich hier verbracht habe. Als ich mitbekomme, dass der Tee fertig ist, gehe ich ins Küchenhaus bzw. Häuschen. Heute morgen war es schon recht frisch. 15 Grad waren es in meinem Zimmer. Da tut ein heißer Tee richtig gut. Zum Frühstück gibt es mein Lieblingsessen. Rotis mit gebratenen Kartoffeln und ein Spiegelei. Sehr zu empfehlen. 

Da meine Krankenschwestern heute ausgeflogen sind hilft mir Nayan.. Kurz vor 12 Uhr mache ich mich mit Shila und Dewas auf den Weg. Wir wollen in ein weiteres Teedörfchen. 



Teedörfchen von oben
Dort ist die Heimat von Dewas Tante die gerade zu Besuch ist. Die dortige Verwandtschaft soll zur Hochzeit eingeladen werden, wenn ich das richtig verstanden habe. In Indien schlagen die Uhren doch deutlich anders als bei uns. Die Festlegung wann die Hochzeit stattfinden soll, haben mehrere Mönche entschieden. Da man hier noch sehr an den Traditionen hängt, zieht ein solche Hochzeit auch weitere Kreise, die ich bisher mit meiner westlichen und emanzipierten Einstellung und Erziehung nicht überblickt habe. 
Aber mit der Hochzeit, zieht die Frau zum Ehemann und dessen Familie und ordnet sich ab da auch den Schwiegereltern unter. Bisher wohnte Dipika hier in Makaibari bei Ihren Eltern. Ab kommenden Montag nicht mehr. Das ist für alle hier eine spürbare Veränderung. 

Blick von Kurseong, wie die letzten Tage ziemlich "cloudy"
Da die Brauteltern die Tochter verheiraten, kümmern sie sich auch um alles. Daher geht es mit einem kleinen klapprigen Minibus (ein VW Bus eingelaufen, komme wenn ich mich gerade auf der Rückbank hinsetze, mit dem Kopf an die Decke) in das Dörfchen, dessen Namen ich mir mit bestem Willen nicht merken konnte. Wir müssen auf jedenfall durch Kurseong durch. 

Dort auf der Hauptstraße werden wir raus gelassen und laufen runter bis zum Dörfchen. Man kommt sich hier manchmal ein bisschen vor wie in "Kommern", nur das es keine Fachwerkhäuser sind, sondern Holzhäuser oder etwas moderner aus Ziegelsteinen. Das Klo ist hier fast immer draußen und die einzige Neuerung scheint Strom zu sein. 

Wir besuchen als erstes eine der Töchter von Anu die Tante von Dewas. Dort werden wir herzlich empfangen und zum Mittagessen verköstigt.  
bei Anu´s Tochter (Mitte)
Anschließend wird über die Hochzeit gesprochen und was alles getan werden muss, soweit ich das mitbekommen habe. Es werden kleine Geschenke überreicht, für die die helfen sollen und anschließend geht es weiter. Zum Bruder von Anu. Bis auf das Mittagessen wiederholt sich die Zeremonie. Man sagt sich Hallo, redet über Hochzeit und zum Teil auch über mich. Welch großen Paradiesvogel Shila und Dewas denn da mit führen. 
Blume im Dörfchen
Stoße mir, wenn ich nicht aufpasse, über all den Kopf. Bin einfach zu groß. 

Das Spielchen wiederholt sich noch bei Sohn, Tante und Nichte oder sowas. Habe den verwandschaftlichen Überblick verloren. Habe schon Probleme meine Verwandtschaft richtig zu sortieren. Da fällt es einem in Indien nicht unbedingt leichter. 

Gegen 15.30 Uhr sind wir mit unserem Rundgang fertig. Fürs erste. 
Da das Dörfchen im Tal lag und wir dahin runter gelaufen sind, ich in Flip Flops, müssen wir logischerweise auch alles wieder hoch. Denke ich. Dewas kennt eine Abkürzung. Wir laufen ein Stückchen hinauf und dann einen kleinen ausgetretenen Trampelpfad entlang. Am Ende sind wir wieder auf der Hauptstraße nur ein paar Serpentinen weiter unten. 
Kurzerhand steigen wir in einen der vorbeikommenden Jeeps ein und fahren zurück nach Kurseong. 

Shila und ich gehen noch Besorgungen machen. Dewas getrennt von uns ebenfalls. 
Wir beide gehen zum Schneider, Sareebluse für Shila bestellen, Chicken einkaufen, Gemüse, Gewürze (zum Teil für mich) und Obst. 
Im letzten Jahr haben alle die bei mir zur Überprüfung waren, ein Bonbons oder so etwas bekommen. Darüber haben sich auch alle immer sehr befreut. Der Nachteil war, dass überall das Plastik herumlag. Was ich für nicht so gut heiße. Daher habe ich mir gedacht, du brauchst etwas was keine Verpackung hat oder verrotten kann. Daher gibt es in diesem Jahr Äpfel und Mandarinen. 

In Kurseong wohnt ein Teil von Shilas Verwandtschaft, der wir auch noch einen Besuch abstatten. Auch hier werde ich herzlich empfangen. Wie überall. 

Gegen 17.30 Uhr geht es im Minibus zurück nach Makaibari. Dort angekommen, sitzen 2 Nachbarinnen in der Küche, wir trinken zusammen einen Tee. Danach machen sich die Frauen ans kochen. Ich verbringe den restlichen Samstag mit etwas lesen und dem aufarbeiten meiner Brillenaufträge, die ich morgen bestellen fahre. 

Freitag, 14. November 2014

Die ersten 50 sind geschafft.

Heute grenzte es schon fast an Rekordarbeit, aber in den letzten 4 Tagen habe ich 50 Augenüberprüfungen gemacht. Wenn auch hier nicht so aufwendig wie in Germany. Aber auch heute musste ich feststellen, dass es für die meisten die erste Brille ihres Lebens ist, auch wenn sie das Eintrittsalter zur Lesebrille schon lange überschritten haben. 
Makaibari heute im Nebel

Bin wieder bestens versorgt worden. Heute haben wir fast ausnahmslos Lesebrille verordnet. Auch wenn ich leider nicht allen weiter helfen kann. Und eine Brille manchmal nicht mehr hilft. Das ist hier nicht anders als in Germany. 

Heute war in der kleinen Bücherei und PC Raum ein kleiner Malwettbewerb für die Kinder. Da für einige heute Schulfrei war, warum weis ich zwar leider nicht, ist man hier aber der Ansicht sich dennoch um die Rasselbande zu kümmern. Sunita (eine von meinen Krankenschwestern) und ich machen dort kurz Station. Wollten wir. Ehe ich mich versehe, bekomme ich einen Stuhl angeboten und gucke den Kindern beim Malen zu. Thema: Makaibari, wie wird es schöner und sauberer. 2 Alterklassen: 2. Klasse und ein paar Jungs aus der 8 Klasse. Während ich beim Malen zugucke, kommt Mrs. Banerjee und Mrs. Das (die Ehefrau vom neuen Manager). Wir unterhalten uns sehr nett und sprechen über das Malthema. 
eins von den Bildern Gruppe B,



Nachdem die Kinder fertig sind mit malen und ehe ich mich versehe, bin ich in der Jury gelandet. Mrs. Banerjee, Mrs. Das und ich sollen jeweils die drei schönsten Bilder aussuchen. Während die Kinder auf dem Fußballplatz bespaßt werden, suchen wir die schönsten Bilder aus. 
Mrs. Banerjee bei Preisübergabe.
Anschließend ist Siegerehrung. Die jeweils Besten bekommen einen kleinen Preis und alle neues Malpapier, Wachsmalstifte und Filzstifte geschenkt. Zum Schluß kommt auch noch Mr. Banerjee, der Stifter der Preise und sieht nach ob wir auch alles richtig gemacht haben. Was sich aber alles ziemlich hingezogen hat. Daher gibt es mit meiner Nachmittagsarbeit nichts. Was in Anbetracht der doch schon ordentlich Anzahl an Brillen, auch in Ordnung ist. Immerhin bin ich ja auch ein wenig im Urlaub. 

Zum Frühstück gab es heute für mich schon wieder Momos. Hatte ich mir gewünscht. Die Gestrigen die über geblieben waren, hat Shila heute morgen knusprig gebraten. Mmmmh..  

Noch eine kleine weitere Anekdote aus New Delhi: 
Es war ganz zu Beginn meiner Reise in New Delhi am ersten Abend. Nachdem ich lecker Essen war, bin zu Fuß zum Hotel zurückgelaufen. Da ich in Anbetracht meines Gepäck mich nicht mit unnötigen Dingen beschweren wollte, fehlte mir noch Waschpulver. 
An einem kleinen Straßenstand möchte ich etwas Waschpulver erstehen. Der Verkäufer fragt mich ob ich ein großes oder ein kleines Paket haben möchte. Für mich eine ganz normale Frage. Da ich keine große Packung brauche, sage ich eine Kleine. 
Was ich dann bekomme ist wirklich klein. Es gibt in Indien, ja schon vieles einzeln abgepackt, aber Waschpulver? Die Menge reicht gerade für eine kleine Ladung. Kostenpunkt: 2 Rupees. Ungefähr 3 Cent. 

Nachdem ich wohl so ein verwundertes Gesicht gemacht habe und ich direkt 10 Päckchen kaufen möchte, fängt der ganze Stand und die Menschen die drum rum stehen an zu lachen. Die dummen Touristen kennen aber auch gar nichts. Lache herzhaft mit. 

Meinen Spitznamen bzw. nepalesischen Namen: Hashimaya hat hier übrigens auch keiner vergessen. Wenn sie Ricarda nicht aussprechen können, dann heiße ich einfach Hashimaya, die Frau die immer lacht.  

Indian Eye Camp

Indian Eye Camp
mit einer heiligen Kuh

Info´s

Auf meiner Tour durch Nord-Indien 2012 bin ich, Ricarda Schmitz, im Teedorf Makaibari, etwa 40 km südlich von Darjeeling gelandet. Hier wird der berühmte Darjeeling Tee angebaut. Dort habe ich ein paar Tage bei einer Teepflücker-Familie gelebt und durfte am Dorfleben teilnehmen.

Das Besondere? Alle mit denen ich Kontakt hatte, strahlten eine innere Zufriedenheit aus und begnügten sich mit dem was sie ihr Eigen nannten. Dies ist aus der Sicht eines Europäers nicht besonders viel. Ein bescheidenes Dach über dem Kopf, Schulbildung für die Kinder (meistens nur die Jungs) ein wenig Ackerbau zur Selbst- versorgung und mit etwas Glück: fliessendes Wasser.

Das Erlebte: Während meines Aufenthalts, durfte ich mit den Tee-Pflückerinnen den Tee ernten und in der Fabrik den Tee sortieren. Eine sehr anstrengende Arbeit, wie ich finde. Der Verdienst? Für 8 Stunden Arbeit, traurige 1,54 € pro Tag.

Die Idee ist ein bisschen von meiner Arbeit, der Augenoptik, zurückzugeben. Ende September geht es los. Auf ins Dorf nach Makaibari im Himalaya. Dort werde ich 3 Wochen lang, meinen Beruf des Augenoptikers ausüben und die Brillenstärke der Einwohner bestimmen und für den richtigen Durchblick sorgen.

MIT IHRER MITHILFE
würde ich gerne mit einem Optiker in der Nähe von Makaibari die richtigen Brillen fertigen. Dafür bitte ich Sie um finanzielle Unterstützung um das Gelingen meines Projekt ´s zu sichern.

(von Sachspenden bitte ich abzusehen, da ich auch den Optiker in Indien unterstützen möchte. Eine fertige Brille kostet in Indien ca. 35 €uro.)